Unsere THG Umfrage:

"Ich bin faul geworden und war mehr am Handy" - Wie erging es der THG Schülerschaft während des Lockdowns? Wir haben nachgefragt!

Bianca Nguyen ~ 20 Juli 2020

Wir hoffen natürlich alle, dass das Schlimmste mit Corona überstanden ist und während die Mehrheit sicher erleichtert ist, dass die Lockerungen weiter anhalten und hoffentlich noch ausgebaut werden, fragt sich der ein oder andere mit Sicherheit auch, wie es dem Rest der Schüler ergangen ist. Um einen Überblick über die Situation des Homeschoolings zu bekommen, hat der SPION einen Fragebogen erstellt, den die Schüler online ausfüllen konnten. Die Ergebnisse und ausgewählte Kommentare finden sich nun hier.

In dem folgenden Artikel wird aus Gründen der Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Sie bezieht sich auf Personen beiderlei Geschlechts. Die Redaktion korrigierte Rechtschreib- und Grammatikfehler in den Schülerkommentaren, ohne jedoch den Inhalt zu ändern.

 

Zusammenfassung der Auswertung:

Aus der gesamten Schülerschaft erhielten wir insgesamt 277 Antworten. Bei der Annahme, dass eine Antwort einem Schüler entspricht, nahmen demnach 277 Schüler teil!

Insgesamt können wir sagen, dass es der Mehrheit der Schülerschaft zu Hause gutging. Nur ca. ein Viertel der Befragten gab an, sich zu Hause unwohl gefühlt zu haben. Rund 47% beschrieben die Menge an Hausaufgaben als passend, während nur ein kleiner Teil die Menge als zu wenig empfand. Die Frage, ob die Schüler in der Lockdown-Phase weniger zu tun hatten als sonst, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Meinung und das Empfinden der Schüler stark auseinandergeht und sich über alle Abstufung hinweg verteilt.

Was die Aktivitäten der Schüler in dieser Zeit anbelangt, so ist ersichtlich, dass Hausaufgaben für fast drei Viertel der Schülerschaft die am zeitintensivste Aktivität war. Dicht gefolgt von Sport,  Social Media und Spielen (sowohl digital, als auch analog). Das Schlusslicht bildeten kreatives Arbeiten mit 35% und Aufräumen mit 22%.

Etwa 80% der Schüler informierten sich außerdem oft und selbstständig über aktuelle Maßnahmen und Entscheidungen.

Bei dem Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht gehen die Meinungen auseinander. Von überhaupt keinen Schwierigkeiten, über anfängliche Probleme, bis hin zu anhaltenden Wissenslücken, ist alles dabei. 17% wären lieber weiter im Homeschooling geblieben. Hier zeigt sich, dass noch Optimierungsbedarf beim Homeschooling bzw. bei der Rückkehr in den Präsenzunterricht besteht.

Wir, die Redaktion und Autoren dieses Artikels, hoffen, mit dieser Umfrage und der Auswertung etwas mehr Transparenz über die Schüler während der Lockdown-Phase schaffen zu können. Dieses direkte Feedback zeigt, wo noch Verbesserungsbedarf besteht, aber auch, was schon ganz gut funktioniert hat.

Im weiteren Verlauf sind die exakten Daten und Ergebnisse aufgelistet, für alle, die es ganz genau wissen wollen. Auch ausgewählte Kommentare von Schülern sind hier zu finden.

Die Teilnehmer*innen

Insgesamt nahmen 277 Schüler an der Umfrage teil (bei der Annahme, dass die Umfrage pro Person nur einmal ausgefüllt wurde)

Die Antworten der Teilnehmer

Wie erging es dir insgesamt zu Hause, bevor die Schule wieder begann? (1 = gar nicht gut, 5 = sehr gut)

• Insgesamt 232 Schüler (83,7% der Teilnehmer) ordnen ihre Situation zuhause der oberen Hälfte (eher gut bis sehr gut) zu

• Die restlichen 45 Schüler (16,3% der Teilnehmer) bewerten sie als eher nicht gut bis gar nicht gut

 

Kommentare:

 

• „Mir ging es nicht gut, da mir das persönliche Feedback von den Lehrern zu meinen Aufgaben gefehlt hat. Ebenso fehlte mir auf Dauer der soziale Kontakt zu den Mitschülern.“ (Klasse 9)

• „Ich hätte es gut gefunden, wenn öfter Rückmeldung zu den Aufgaben vom Lehrer gekommen wäre. (Aufschriebe mussten eingeschickt werden, es kam aber keine Rückmeldung)“ (Klasse 7)

• „Es war ungewöhnlich, plötzlich wochenlang mit der ganzen Familie zusammen zu sein und das hat zu manchmal heftigeren Streitereien geführt als normal.“ (Klasse 9)

• „Mir ging es in der Zeit zu Hause gut, jedoch habe ich die technischen

Anforderungen als sehr hoch empfunden.“ (Klasse 9)

• „Es war wirklich in beiden Situationen (Homeschooling u. Präsenzunterricht) mega zufrieden und es hat bei mir wirklich bei allem gut geklappt!!“ (Klasse 7)

 

 

Wie empfandest Du die Menge an Hausaufgaben, die Du bekommen hast? Als... (1 = zu viel, 5 = zu wenig)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

• Die Mehrheit (222 Schüler, 80,1%) empfand die Menge an Hausaufgaben weder als zu viel noch als zu wenig

• 55 Schüler (19,1%) bewerten die Menge zu wenig.

 

Kommentare:

 

• „1) Manche Lehrer haben für eine Woche zu viele Aufgaben gegeben (meiner Ansicht nach)

2) Es wäre besser gewesen, wenn alle Lehrer schon am Montag die Aufgaben der Woche auf Moodle hochgeladen hätten, damit man sich die Aufgaben direkt einteilen kann.“ (Klasse 9)

• „Ich persönlich finde, dass viele Lehrer in der Lockdown-Phase sehr übermotiviert waren und wir vielleicht deshalb viele Aufgaben bekommen haben. Dennoch hat mir ein Lehrer das so erklärt, dass die Einschätzung der Aufgabenmenge sehr schwierig war, da nun mal Lehrer auch Menschen sind und zuvor nie eine solche Situation hatten.“ (J1)

• „Nicht immer konnte ich mir meine Aufgaben gut einteilen, aber ich konnte mich besser konzentrieren als in der Schule.“ (Klasse 6)

• „In manchen Fächern, vor allem in den Nebenfächern, gab es oft zu viele Aufgaben.“ (Klasse 8)

• „Ich fand es schade, dass manche Lehrer keine Video-Konferenzen gemacht haben, sondern nur Aufgaben gestellt haben!“ (Klasse 7)

 

 

Inwieweit kannst Du dieser Aussage zustimmen? - "Ich hatte während der Zeit zu Hause das Gefühl, weniger zu tun zu haben als sonst." (1 = gar nicht, 5 = total)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

• Fast jeweils ein Viertel der Befragten gab an, der Aussage „gar nicht“ (71 Schüler,

25,6%) oder „eher nicht“ (65 Schüler, 23,5%) zuzustimmen.

• Ein weiteres Viertel (74 Schüler, 26,7%) fand, dass sie während der Lockdown-Phase genauso viel zu tun hatten wie sonst auch.

• Das restliche Viertel, insgesamt 67 Schüler (24,1%), stimmten der Aussage „eher“ bis „total“ zu.

 

Womit verbrachtest du die meiste Zeit? (Mehrfachauswahl möglich)

Zur Auswahl standen:

 

Hausaufgaben

Sport (z.B. Jogging, Homeworkouts...)

Kreatives Arbeiten (z.B. Zeichnen, Nähen...)

Social Media (z.B. Instagram, Snapchat...) Spiele spielen (z.B. PC-Spiele, Brettspiele....) Aufräumen, Putzen...

Sonstiges:

 

• 199 Schüler (71,8%) gaben an, dass sie für die Bearbeitung von Hausaufgaben am meisten Zeit investierten.

• Am zweithäufigsten wurde die Option „Sport“ (z.B. Jogging, Homeworkouts...)“  von insgesamt 145 Schülern (52,3%) ausgewählt

• Auf Social Media verbrachten 126 Schüler (49,1%) die meiste Zeit

• Gefolgt von „Spiele spielen“ (98 Schüler, 35,4%) -  z.B. „Fortnite“ oder das Spielen mit Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn.

•  „Kreatives Arbeiten“ (97 Schüler, 35%)

• „Aufräumen, Putzen...“ (62 Schüler, 22,4%)

• Viele gaben außerdem an, zu lesen, mit Freunden zu kommunizieren und sich zu treffen o.Ä.

 

Kommentare:

 

• „Meine Brüder und ich haben aus gebrauchten Paletten eine Hütte gebaut.“ (Klasse 6)

• „Ich bin faul geworden und war mehr am Handy.“ (Klasse 7)

 

 

Hast Du Dich in dieser Zeit über aktuelle Entscheidungen, Maßnahmen etc. informiert? Wenn ja, wo bzw. wie? (bitte unter "Weitere" angeben, Mehrfachauswahl möglich)

 

 

 

 

 

 

 

 

• Von den 277 Schülern gaben nur 11 (4%) an, sich gar nicht informiert zu haben

• Sehr oft wurde die Tagesschau als Informationsquelle genannt, doch auch Zeitungen, Podcasts oder das Radio wurden als Medien aufgeführt. Digitalen Medien wurden weit mehr als die analogen Medien genutzt.

 

Wie gelang/gelingt Dir der Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht? (Mehrfachauswahl möglich)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

• Insgesamt meinten 165 Teilnehmer (59,6%), sie freuen sich darüber, ihre Freunde wiederzusehen.

• 144 Personen (52%) wählten die Möglichkeit „Ich hatte/habe keine Schwierigkeiten.“

• 28,9% (80 Schüler) hatten keine Wiedereinstiegsprobleme und sagen, dass sie ihre Aufgaben in den Wochen davor sorgfältigst erledigt haben.

• Nach einigen Startschwierigkeiten konnten sich 60 Schüler (21,7%) wieder gut in den Unterricht integrieren.

• „Ich merkte/merke, dass mir Stoff/Wissen von den vorherigen Wochen fehlt.“ Diese Aussage fanden 18,1% (50 Schüler) zutreffend.

• 48 Schüler (17,3%) hätten lieber weiter Homeschooling.

• 17 Teilnehmer (6,1%) gaben an, dass es ihnen schwerfiele, sich wieder in den Unterricht zu integrieren.

 

Kommentare:

 

• „Ich saß am Fenster und es war sehr kalt (1.A-Woche). Draußen wollte jemand geschlagen werden. Das war beängstigend... Aber wegen des zusätzlichen Sauerstoffs hat mein Gehirn besser gearbeitet als sonst... ha ha ... das glaubt ihr doch nicht wirklich, oder?? Es war freezing...!!!“ (Klasse 9)

• „Es herrscht eine angenehme Atmosphäre in der geteilten Klasse, trotz der neuen Situation. Außerdem kann man sich viel besser im Klassengespräch beteiligen.

Trotzdem fand ich das Homeschooling ganz gut.“ (Klasse 11)

• „Am Anfang, als wieder Präsenzunterricht stattgefunden hat, war nicht klar, ob die Schüler, die in der Schule sind, die Aufgaben auf Moodle schon machen müssen oder erst in der folgenden Woche zu Hause.“ (Klasse 6)

• „Ich verstehe nicht, warum die Schule nicht wieder ganz normal stattfindet, aber man wieder Mannschaftssport mit Zweikämpfen und Paartanz ohne Einschränkungen betreiben darf.“ (Klasse 10)

• „Ich finde, dass es in der B Woche sehr kompliziert ist mit dem Heraussuchen des Stoffes. Alle Lehrer machen das irgendwie unterschiedlich...“ (Klasse 9)

• „Ich musste ganz vorne sitzen, sodass ich die Einzige war, die man in  Videokonferenzen sehen konnte. Außerdem war‘s am Fenster kalt.“ (Klasse 9)

• „Ich finde beide Arten von Lernen angemessen, aber ich habe lieber Präsenzunterricht, da ich meine Freunde vermisst habe.“ (Klasse 10)

• „Man merkt, dass man in den Sprachen Englisch, Spanisch und Französisch viele Vokabeln vergessen hat, weil man nie spricht.“ (Klasse 8)

• „Hausaufgaben aus dem Präsenzunterricht + Online-Unterricht (in Kombination) sind zum Teil unübersichtlich.“ (Klasse 11)

• „Den Französischunterricht in der Klassenstufe 10 finde ich zu viel.“ (Klasse 10)

• „Ich bin froh, dass die Schule wieder stattfinden kann *feiernder Emoji*.“ (Klasse 5)

 

 

 

Weitere Kommentare, Anmerkungen, Wünsche usw.:

 

Zum Thema Homeschooling:

 

• „Eine Integration des Homeschoolings in den normalen Schulalltag ist wünschenswert. Schüler lernen, selbstständig(er) zu arbeiten: eine mehrwöchige Phase des Präsenzunterrichts in Abwechslung mit einer Homeschooling-Phase wäre wichtig für die fortschreitende Entwicklung einer Selbstverantwortung; die Homeschooling-Phase könnte, entsprechend der Klassenstufe, unterschiedlich lang sein. Das System eines puren Präsenzunterrichts ist veraltet und sollte überarbeitet werden.“ (J1)

• „Man könnte Homeschooling in Zukunft auch noch nutzen. Präsenzunterricht bis Mittwoch oder Donnerstag und den Rest der Woche Übungen, Wiederholungen oder

Ähnliches.“ (J1)

• „Homeschooling an sich war nicht soo schlimm, aber es hat halt genervt, wenn

Moodle nicht funktioniert hat, oder bei Videokonferenzen der Ton nur abgehackt war

:))“ (Klasse 7)

• „Ich dachte Homeschooling wäre voll cool, aber das ist es nicht!“ (Klasse 5)

 

Andere Themen

• „Es wäre toll, wenn die Schule nach den Ferien ohne Mundschutz und Abstand ganz aufmachen könnte.“ (Klasse 7)

• „Die Zeiten waren schwierig, aber ich oder wir alle - denke ich - habe alles verstanden.“ (Klasse 5)

• „Ich erkenne nun den Wert der Bildung und bin dankbar, in die Schule gehen zu dürfen. Es ist viel leichter, in der Schule mitzukommen, als zu Hause versuchen, sich den ganzen Stoff selbst anzueignen. Vor allem in Fächern, die man gar nicht mag und in denen man schlecht ist.“ (Klasse 11)

• „Es sterben mehr Menschen an Grippe als an Corona. Jährlich.“ (Klasse 6)

• „Ich habe gelernt, mehr mit dem Computer umzugehen.“ (Klasse 5)

• „Der Lockdown forderte/förderte die Selbstdisziplin und Eigenständigkeit.“ (Klasse 11)